Allgemein,  Erlebt.

Ein Jahresendpost in zwei Teilen: Zurück.

2015 – was für ein Jahr!

Ein Jahr, in dem auch ich einfach nicht umhinkomme, auf die letzten 365 Tage zurückzublicken. Sprießen Ende Dezember die Jahresrückblicke wie Pilze aus dem Boden, habe ich bisher nie mehr als ein paar floskelhafte Zeilen zusammenkratzen können.

Dann endete 2014, wie ich es damals ausgedrückt habe, mit einem grandiosen Cliffhanger – und ließ mich atemlos gespannt auf das neue Jahr zurück. Hinter mir eine Kündigung und eine gefühlt endlose Wohnungssuche, die sich kurz vor Weihnachten völlig überraschend mit einem Schlag von selbst beendete. Vor mir die Erfüllung eines langegehegten Traumes und ein Aufbruch zu gleich mehreren neuen Ufern.

Das erste Ufer sollte das Ufer des Bodensees werden. Wer mich kennt, weiß, wie sehr ich mich mit dem Bodensee verbunden fühle, wie sehr mein Herz daran hängt. Andere suchen Abenteuer in fernen, exotischen Ländern – ich suchte, seit ich 15 war, einfach immer nur das Atmen und Loslassen an diesem See, das allumfassende Blau, die klare Luft, meinen persönlichen kleinen Frieden.

Am Mittag des 11. Januars 2015 brach ich auf, mein roter Polo vollgepackt, aus den Lautsprechern die Worte „Alles neu: Ich breche auf“, gesungen von meinem Herzens-Sänger Asp, um mich herum eine Mischung aus feuchtem Schneetreiben, Hagel und Wind. Die Tage davor waren geprägt gewesen von vibrierender Unruhe und nervösen Panikattacken à la „Oh Gott, worauf habe ich mich da nur eingelassen?!“

Und dann kam ich an. Manches kann man nur auf Englisch so ausdrücken, wie man es fühlt: „Everything fell into place.“ Ich kam an, nicht nur in der gemütlichen WG in Lindau, nicht nur bei Anna und den beiden Katzen und den nicht enden wollenden Abenden auf dem Balkon, nicht nur im Lektorieren und Gestalten, in einer 40-Stunden-Woche, die sich wie Urlaub anfühlte, nicht nur bei Sabine und Kater Sammy, nicht nur in den Gassen der Lindauer Insel, am Nonnenhorner Bootssteg, zwischen den Obstplantagen des Hinterlandes … Ich kam an – in dem Leben, das ich führen wollte. Die ersten vier Monate des Jahres 2015 leuchten mit all ihren Momenten farbenfroh und wohlig bis in den Dezember, bis zum heutigen Tage.

Natürlich war nicht alles perfekt. Natürlich hätte ich Kleinigkeiten anders gemacht. (Hätte ich zum Beispiel doch diesen Blog schon im Januar eröffnet! Ich hätte so gerne von so vielem während jener Zeit berichtet! Dem 37° zum Beispiel, meinem Lieblingscafé … ) Ich hatte nie Heimweh – doch natürlich fehlten mir meine Lieben. Ich wollte sie hier bei mir haben. Ich wollte all das Wunderbare mit ihnen teilen. Ich wollte bleiben, ich wollte nie wieder weg.
Doch das große Ganze war genau richtig, in jedem Detail. Ich bereue nichts. Ich verließ den Bodensee am 1. Mai mit einem Herz voll seesonnigem Abschiedsschmerz und allumfassender Dankbarkeit.
Um es mit den Worten meiner Lieblingsschriftstellerin zu sagen: All was well.

Irre.

Und 2015 blieb auch weiterhin so wegweisend. Der Umzug in die neue Wohnung, die alles hat, was wir uns von einer Wohnung erhofft und realistischerweise in unserer Gegend doch nie zu finden erträumt hatten. Der neue Job in der Agentur. Die Schreibnacht. Wundervolle neue Leute. Die Frankfurter Buchmesse. Eine veröffentlichte Kurzgeschichte. Nicht zu vergessen dieser Blog. Und nicht zu vergessen, aus meinem privaten Nähkästchen: Ich bin Tante geworden und stehe manchmal noch immer voller Staunen ob der Tatsache, dass da jetzt ein Mensch Teil meines Lebens ist, der vorher nicht da war.

Viel hat sich verändert nach jenem 1. Mai, als ich den See wieder verlassen habe. Nicht alles in die Richtung, in die es sollte. Ich bin nach wie vor immer wieder voller (Selbst-)Zweifel. Ich habe gelernt, dass sich Dinge nicht wiederholen lassen, auch wenn man noch einmal für ein Wochenende zurückkehrt. Ich vermisse Menschen, von denen ich im Dezember 2014 noch überzeugt war, sie würden für immer derselbe wichtige Teil meines Lebens bleiben. Ich habe vieles nicht geschafft, was ich mir vorgenommen habe.

Dennoch, mein Rückblick auf 2015 bleibt schwärmerisch. Weil es 2016 nämlich weitergeht und das heute eigentlich auch nur ein Tag wie jeder andere ist, an dem abends die Sonne untergeht und morgens wieder aufgeht, wie sie es immer tut.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere