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Moon and me: Was soll das eigentlich mit dem Mond?

Auf Twitter ist er. Hier auf dem Blog ist er neuerdings auch. Auf einer Lieblingskaffeetasse ist er. Auf einem Schreibplaner-Block auf meinem Schreibtisch und indirekt auch in dem Satz „She was like the moon …“ auf dem Cover eines Notizbuches. Als Mondphasen auf einem Shirt, das ich mir gekauft habe. Gut, am Himmel ist er auch, aber darum geht es hier nicht. Im letzten Dreivierteljahr wurde der Mond zum wiederkehrenden Motiv in meinem persönlichen kleinen Kosmos. Man könnte sagen, ich wurde ein wenig … mondsüchtig? Was hat es damit auf sich?

Viele solcher Geschichten beginnen mit einem schwammigen – oder euphorischen – Schon immer. „Schon immer hat der Mond eine unwiderstehliche Faszination auf mich ausgeübt.“ Das kann ich nicht über mich sagen. Hat er nicht. Er war einfach da. Ich bin auch nicht sonderlich esoterisch veranlagt; welchen Einfluss die aktuelle Mondphase darauf haben soll, ob ich mir die Haare färben kann oder nicht, lässt mich kalt. Ich finde den Mond, so mystisch und geheimnisvoll er sich auch gerne präsentiert, eher aus astronomischer Sicht faszinierend. Doch auch da gab es immer anderes, das mich zuerst und stärker begeisterte.

„Wie ist die Welt so stille“

Klar fand ich ihn schön. Nicht nur einmal stand ich nachts an einem See, am Meer und bewunderte den zitternden Pfad, den sein Licht aufs Wasser zaubert. Ich lernte in der Grundschule, was Mondphasen sind und mit welcher Eselsbrücke man sich merken kann, ob der Mond zu- oder abnimmt. Wenn der Mond besonders hell, besonders groß oder einfach nur besonders schön am Himmel stand, habe ich das kurz wahrgenommen und bewundert. Ich las im Studium einiges über die Bedeutung des Mondes in Literatur und Kulturgeschichte. Aber eine besondere persönliche Bedeutung hatte der Mond nicht für mich.

Bis er auf einmal eine Rolle in meinem aktuellen Romanprojekt einnahm. Zunächst war es nichts als eine Spielerei, dann jedoch verflocht sich diese mehr und mehr mit dem Plot, untrennbar. Geschuldet ist das, wie so vieles im Schreibprozess, einem Zufall. Ich fuhr abends nach einem Besuch bei meiner Schwester nach Hause, eine kurze Strecke auf der Landstraße zwischen zwei Orten. Es war eine schöne Nacht und der Mond stand am Himmel; ich glaube, es war ein Sichelmond.

Auto fahren hat bei mir oft dieselbe Wirkung wie Duschen. Oder Geschirr spülen. Die Gedanken geraten ins Fließen und ehe ich mich versehe, habe ich einen Dialog im Kopf. Oder ein Plotproblem gelöst (oder gefunden). In diesem Fall war es der Blick auf den zugegeben sehr malerischen Mond und der Gedanke: „Ich könnte doch …“

„Luna! O Fortuna!“

Ich „könnte“ nicht nur, ich tat es. Verpasste dem Mond die erst subtile, dann immer zentralere Rolle im Roman. Und mehr und mehr Elemente kamen hinzu. Ein Lied, beim Schreiben gehört, das eine wichtige Figur in die Geschichte einführte. Und dann entdeckte ich eine so starke Verbindung, dass diese wiederum selbst mit Bedeutung aufgeladen ist:

Die Mondphasen-App auf dem Handy installierte ich mir vor allem, weil ich beim Schreiben genau sein möchte. Wenn an einem bestimmten Tag im Mondzyklus der Mond bereits tagsüber am Himmel steht, können die Figuren nicht nachts im hellen Mondschein unterwegs sein. Vor ein paar Wochen rekonstruierte ich mit dieser App das Datum, zu dem meine Geschichte beginnt. November 2013. Ich starrte es an und da klingelte etwas bei mir. Ein gewisser Verdacht … Als ich rekonstruierte, wann mir zum allerersten Mal die bloße Idee zu dieser Geschichte gekommen sein musste, bestätigte er sich. Es war derselbe Zeitraum. November 2013. Ein Gänsehaut-Moment.

Das ist magisch. Und zwar im besten Sinne.

„Once upon a midnight dreary …“

Was wäre passiert, wenn das Wetter an diesem Abend, nach dem Besuch bei meiner Schwester, regnerisch gewesen wäre? Wenn hinter mir ein Drängler zu dicht aufgefahren wäre und meine Gedanken deswegen nicht frei hätten fließen können? Mein Roman – Codename „Novemberprojekt“ – wäre heute ein anderer.

Und weil mich das so fasziniert und weil der Mond eine so zentrale Rolle im Novemberprojekt spielt, schaffe ich gerne solche Verbindungen. Kaufe mir eine Mond-Lampe, die leuchtet, während ich schreibe. Weil es zu dem gehört, wie ich mich ausdrücke, auch wenn dieses Sich-ausdrücken alleine für mich geschieht. Aus demselben Grund trug ich, nachdem ich eine Nebenfigur nach Edgar Allan Poes „Lenore“ benannt hatte, am nächsten Tag mein Sweatshirt mit dem als Kalligramm in Form eines Raben angeordneten Gedicht „The Raven“. Es fiel niemandem auf, aber mir war es ein Bedürfnis. Mein Novemberprojekt ist in Gedanken immer bei mir – oder ich beim Roman – und deswegen darf sich das auch optisch widerspiegeln. Und der neu gestaltete Blog einen Mond-Header bekommen.

4 Kommentare

  • Sarah

    Nachdem über die Lektüre des Blog-Beitrags, meinen Kommentar und einen anschließenden Streifzug durch dein Instagram eine Nacht vergangen ist, beschäftigt mich etwas an dem Thema weiter, nämlich die Frage: wieviel der o.g. „Ausstatter“-Rolle erfüllt man für sich selbst, wieviel für die Außenwelt?
    Was du im Blog beschreibst, ist eindeutig ein innerer Prozess, eine geradezu heimliche Aufladung-mit-Bedeutung, bzw. es ist ein Weg, mit deinem Schreibprojekt auch im „Restleben“ in Verbindung zu bleiben, ohne dass das nach außen bemerkbar sein muss.

    Mein erster Gedanke gestern war: das tun nicht viele Menschen, oder zumindest nicht viele so bewusst. Über Nacht sind mir Zweifel an dieser Annahme gekommen. Vielleicht stimmt sogar das Gegenteil: in Zeiten von Instagram betätigt sich zumindest jede Nutzerin dieser Plattform sehr nachdrücklich als Bild- und Wortredakteurin, Ausstatterin, Beleuchterin….mit dem Ziel einer ansprechende Gesamtinszenierung des eigenen Lebens. Aber eben nach außen, und das ist vielleicht der wichtige Unterschied.
    Ich könnte mich verlieren in deinem Instagram, es hat einen enormen Sog auf mich und der Gedanke liegt nahe: das würde mir auch Spaß machen. Quasi Whatsapp-Status in groß – eine Spielwiese des kreativen Ausdrucks. Gleichzeitig misstraue ich dieser Faszination und sehe darin neben dem Aspekt der Zeitvernichtungsmaschine vor allem die Gefahr einer ungesund verschobenen Wahrnehmung von ER-LEBEN: nur was ich gelungen gepostet habe, habe ich vollkommen erlebt. Das kann so zwingend werden, stelle ich mir vor. Doch auch das wäre ja nur eine konsequente Fortführung z.B. des manischen Fotografierens; Menschen mit der Einstellung „nur was ich fotografiert habe, habe ich wirklich erlebt“ gab es auch schon vor „dem Internet“ (fällt dir da nicht auch jemand ein…?!), und, um mal GANZ in der Nähe zu bleiben: nur, worüber ich geschrieben habe, habe ich „zu Ende“ erlebt, gibt es schließlich auch – schon immer und analog.
    Dieser vermutlich häufig kritisierte Aspekt an Instagram ist also nicht mal wirklich ein digitales Phänomen – wenn es sich dort auch potenzieren dürfte und einfach augenscheinlicher wird.
    Was also von all dem ist noch gesund, ab wo wird’s kritisch? Ist tatsächlich die Unterscheidung der beabsichtigten Wirkung nach außen oder innen das entscheidende Kriterium? Darüber gibt es bestimmt bergeweise Artikel, Abhandlungen, Diskussionen, Foren, Reportagen und wissenschaftliche Arbeiten. Für mich aber wurde dieses Thema erst heute, im Wortsinn über Nacht, so richtig relevant und greifbar und treibt mich um.

    Kann man sich als Bloggerin eigentlich was Besseres wünschen, als dass man mit einem Blogpost jemandem so „erwischt“??!

    • Lily Magdalena

      Hach – nein, vermutlich kann man sich nichts Besseres wünschen – auch wenn ich ein bisschen besorgt darüber bin, dir eine schlaflose Nacht bereitet zu haben und dass dich das Thema nun „umtreibt“ …
      Aber es ist schön, wenn die eigenen Gedanken nicht so ganz „ins Leere“ gesprochen bzw. geschrieben werden – auch wenn ich mit dem Blogpost ja irgendwie genau das aussage: alles nur für mich, fürs Innen, egal, ob jemand es bemerkt oder nicht. Ein wenig provozierend könnte man natürlich sagen: Dadurch, dass ich diesen Blogpost geschrieben habe, führe ich meine eigene Aussage wiederum ad absurdum, denn den Beitrag kann – und soll! – ja jemand lesen. Diesen (scheinbaren?) Widerspruch muss ich wohl aushalten.

      Instagram ist der Social-Media-Kanal, der am allerstärksten einer Inszenierung unterliegt und durch die Fokussierung auf visuelle Inhalte am stärksten an das Außen gerichtet ist. Dadurch, dass ich meinem Profil ganz bewusst einen „Look“ verpasst habe, treibe ich das mit dem Inszenieren natürlich auf die Spitze (so sehr ich auch der Überzeugung bin, mich nicht zu verstellen und trotzdem ganz ich selbst zu bleiben). Das darf auf Instagram durchaus sein – trotzdem frage ich mich zur Zeit, ob dadurch nicht ein Stück Natürlichkeit auf der Strecke bleibt.
      Es ist eine Gratwanderung und ich denke, zwischen verschiedenen Ausprägungen und Intensitäten zu wechseln, ist ein ganz natürlicher Prozess. Aber du hast recht, es kann durchaus Sogwirkung haben und Wahrnehmungen verschieben und in extremen Formen sehr ungesund werden bzw. ungesunde Folgen haben. Das Thema kann man stunden- wenn nicht gar tagelang vertiefen und sich in die zahlreichen Abhandlungen etc. darüber einlesen, da hast du recht!

      Ich finde, ich halte für mich persönlich eine gute Balance zwischen Social-Media-Inszenierung und rein analogem Genießen. Ein gutes – und passendes! – Beispiel ist die Mondfinsternis, anlässlich derer ich den Beitrag geschrieben habe. Anfangs hatte ich noch das Handy in der Hand, versuchte mich an einem Foto, verfolgte die Tweets zum Thema … Doch nachts auf ein helles Display zu starren und danach wieder mehrere Sekunden zu brauchen, bis sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, um den echten Mond überhaupt wieder zu erkennen, fand ich ziemlich schnell geradezu lächerlich. Und vereinzelte Aussagen auf Instagram oder Twitter in die Richtung von: „Aha, und das soll es jetzt also gewesen sein?! Wie enttäuschend!“ gingen mir nur auf den Keks. Also legte ich das Handy weg und saß zwei Stunden lang einfach nur auf dem Balkon, den Blick auf den Mond, die Gedanken frei fließend. Hundert Prozent analog. Es fehlte nichts.

      Instagram und Social Media sind ein Thema, das Thema meines Blogbeitrages bleibt jedoch ein anderes. Das „Ausstatten und Beleuchten des eigenen Sets“, auch im Alltag mit meinem Schreibprojekt in Verbindung zu bleiben (wundervoll in Worte gefasst, danke!): Das geschieht nur für mich. Ich blogge zwar darüber – aber ohne Blog und ohne Instagram hätte ich dennoch den Mond als wiederkehrendes Motiv in meinen Alltag integriert … (Der verträgt sich übrigens hervorragend mit den Eulen!)

      • Sarah

        Genau! Dieses Absurdum meinte ich mit dem- privat schon angedeuteten – „Logikfehler“ meines Kommentars: es geht ursprünglich um einen inneren Prozess, doch indem du im Blog drüber schreibst, bekommt der dann eben doch eine Außenwirkung.

        Ich frage mich, ob nicht bloggen eine ehrlichere Form von Tagebuchschreiben ist – indem man sich dabei die Möglichkeit einer Resonanz verschafft. Die wünsche ich mir beim Tagebuchschreiben nämlich zuweilen schon auch. Zwar nur punktuell. Sicher nicht beim Aspekt des laut-Denkens, des Gedanken-Sortierens, der Problemanalyse und Suche nach meiner Position zu einer Frage, dann einem Lösungsansatz. Zum RESULTAT dieser „Vorarbeit“ wäre Resonanz aber gut, um z.B. einen Gedanken im Austausch weiter zu spinnen. Aber das holt man sich in der analogen Welt eben, indem man über die Erkenntnisse des schriftlichen Hirnens bei nächster Gelegenheit SRICHT (mir fehlt hier definitiv eine Kursiv-Funktion!!).
        Deshalb auch hier mein Fazit: die Prozesse der digitalen Welt sind nicht neu, nur schneller.
        Und dann gibt es noch zumindest in meinen Tagebüchern den Aspekt der reinen Schilderung – zunehmend, wie ich an mir selbst beobachte, mit einem gewissen Anspruch an Sprache und Stil – also annähernd literarisch. Wobei die fiktive Leserschaft zunächst nur aus mir selbst besteht – im imaginierten Bild der Alten am Ende ihres Lebens. Doch die potentielle Leserschaft wächst: es könnten die „Hinterbliebenen“ sein, die Menschen, die Teil meines Lebens waren, über die ich geschrieben habe, oder die einfach nur interessiert sein könnten. Von da ist es nicht mehr weit zum öffentlichen Schreiben, also auch zum Bloggen.
        Und wieder schließt sich eine Gedankenschleife mit der Erkenntnis: soo unterschiedlich sind die Welten nicht.

        Deine Schilderung der Mondnacht gefällt mir besonders gut. Manchmal geht es mir auch so: wenn was besonders schön ist, will ich bewusst NICHT das Handy rausziehen, um zu fotografieren und zu posten, stattdessen mich dem Moment zuwenden. Mit meinen eigenen Sinnen, nicht deren vorgeblich technischer Verlängerung, die oft nur eine Barriere ist.
        Der Anblick des Mondes wirkt in dir, setzte was in Gang, das letztendlich wieder im Schreiben mündet. Und wieder schließt sich ein Kreis: wir schreiben hier. In einem Blog über das Schreiben. So viele Facetten, so viele Gedankenschleifen, analog und digital – mir ist leicht schwindelig davon, aber angenehm, wie bei einem kleinen Schwips! Tolle Sache!

  • Sarah

    Es ist ja nicht so, als SEI ich nicht schon lange neugierig gespannt auf das „Novemberprojekt“, liebe Lily – aber jetzt hast du doch nochmal gekonnt eins drauf gesetzt, chapeau!

    Ja, diese Dinge, die man nur so für sich tut, um eine innere Atmosphäre zu gestalten, Ausstatterin und Beleuchterin des eigenen Sets zu sein,…das hast du schön beschrieben.
    Und dein Mond-Header ist RICHTIG gut!!!

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